BIOGRAPHIE

David R. Huchthausen


David Huchthausen (geb. 1951 in Wisconsin Rapids, WI, USA) hat viel Zeit seines Architekturstudiums von 1970 bis 1973 an der University of Wisconsin, Wasau, WI, fachfremd im Kunstdepartement verbracht. Nachdem er einen alten Schmelzofen entdeckt hatte, setzte er ihn instand und experimentierte mit Glas. Erst jetzt hörte er von der Studioglasbewegung und Harvey K. Littleton, der im nicht weit entfernten Madison, WI, unterrichtete. Huchthausen wurde 1973 sein Assistent und erlernte bei ihm das Glasblasen. Seinen Masterabschluss erreichte er 1977 bei Joel Philip Myers an der Universität in Normal, Il. 1977 bis 1983 war Huchthausen Kurator für die bedeutende Ausstellungsserie American Glass Now und von 1980 bis 1989 Leiter des Glasprogramms an der Tennessee Technological University, Cookville, TN.

Schon in den 1970er Jahren arbeitete Huchthausen mit dem damals in den USA noch unpopulären Laminieren von Flachglas, das er mit geblasenen Elementen kombinierte. Erste Erfolge erzielte er mit den geblasenen „Fantasy Vessels“: Zylindervasen, in deren vielschichtiger Wandung Darstellungen von Menschen, Landschaften und Pflanzen eingearbeitet sind. Trotzdem beendete Huchthausen nach einem Aufenthalt im Lobmeyr-Studio in Baden bei Wien 1978 die Arbeit am Ofen und verlegte sich ganz auf das Laminieren von geschliffenen und polierten Glaselementen. Zu Beginn schuf er die „Construction Fields“, schwarze Schieferplatten, auf denen er wie bei einem Baukasten farbige, zum Teil gestreifte Bauelemente anordnete, die die Betrachter neu ordnen konnten.

Dass Huchthausen von der Architektur zur Kunst gekommen ist, kann an seiner bedeutenden Werkgruppe der „Leitungs Scherben“ erahnt werden. Aus verschiedenfarbigen, geschliffenen und polierten Glasplättchen laminierte Platten werden von Rahmen bzw. Beinelementen getragen, die aus kontrolliert gebrochenem Glas bestehen. Die klar organisierte Struktur der farbigen Platten steht in Kontrast zu den unregelmäßig, scharfkantig gebrochenen Rahmen. Obwohl nicht übermäßig groß, wirken die Arbeiten monumental, wie aus der Zeit gefallene, beschädigte Fragmente eines nicht mehr existenten größeren Ganzen, auf das sie wie archäologische Artefakte verweisen. Manchmal wirken sie wie Elemente untergegangener Architekturen mit ihrem ornamentalen Schmuck und bisweilen wie Überreste zerstörter Modelle von Raumschiffen aus Fantasien unserer fernen Zukunft, wie Sidney M. Goldstein meint. Der Titel „Leitungs Scherben“ ist bewusst in deutscher Sprache gewählt. Das wurde deutlich, als Huchthausen eine zumal falsche Übersetzung ins Englische „Piece of broken Piping“ kritisierte. Warum er die deutsche Sprache nutzte, darauf geht er nicht ein. Aber er stimmt einer Umschreibung seines Titels zu, als beschädigten „Weg der Übertragung, Führung oder Kontrolle“. Die „Leitungs Scherben“ sind in ihrer Rätselhaftigkeit freie Assoziationen, die der Beschäftigung mit dem Thema errichteter Ordnungen und ihrer Auflösung entstammen.

Das Werk der 1980er Jahre war bei Huchthausen durch die „Leitungs Scherben“ geprägt. Bis heute hat er die Arbeit mit laminierten Glaselementen weiter ausbauen und variieren können. Dabei wurden seine Werke immer mehr zu „Studien der Interaktion von Licht und Farbe mit abstrakten Formen und vorsichtig platzierten Linsen und Brüchen“.
Uwe Claassen

Achilles-Stiftung